NAS-Übertragungsgeschwindigkeit steigern: Netzwerk, Clients, RAID (Update Dezember 2025)
Du hast dir ein NAS gekauft, um schnelle und zuverlässige Speicherlösungen zu haben – und trotzdem schleichen deine Dateiübertragungen im Schneckentempo dahin. Stundenlang auf ein einfaches Backup warten? Damit bist du nicht allein.
Das Problem liegt nicht immer am NAS selbst. Häufiger sind es dein Netzwerk, deine Kabel oder sogar die Geräte, die du verwendest. In diesem Leitfaden decken wir die wahren Ursachen für langsame NAS-Übertragungen auf und zeigen dir, wie du sie Schritt für Schritt erkennst und behebst – Engpass für Engpass.
Wichtige Erkenntnisse:
- NAS-Übertragungsgeschwindigkeit entsteht aus vielen Faktoren, und in der Praxis bestimmt immer das schwächste Glied im System den realen Durchsatz.
- Gbps und MB/s werden oft verwechselt: Die Umrechnung (Gbps ÷ 8) ist nur ein Richtwert, weil Protokoll-Overhead und Systemlast die reale Rate senken.
- Viele kleine Dateien sind langsamer als wenige große, weil Dateisystem- und SMB-Overhead sowie Client-Scanner/Indexierung jeden Dateizugriff ausbremsen.
- Die größten Bremsen sitzen häufig außerhalb des NAS: Router/Switch, Kabelqualität, Link-Aushandlung und die Leistungsfähigkeit des Client-Geräts.
- Systematisches Vorgehen spart Zeit: Link-Rate prüfen, Engpass eingrenzen, dann gezielt mit ZIP/TAR, rsync/robocopy, Kabeltest und Lastreduktion optimieren.
NAS-Übertragungsgeschwindigkeit verstehen
Bevor wir zu den Lösungen kommen, müssen wir verstehen, wie Übertragungsgeschwindigkeiten funktionieren – und warum sie so oft falsch eingeschätzt werden. Geschwindigkeit ist nicht einfach nur eine Zahl auf dem Datenblatt; sie ist das Ergebnis vieler Faktoren, die entweder zusammenarbeiten oder sich gegenseitig ausbremsen.
Wie NAS-Übertragungsgeschwindigkeiten gemessen werden
Im Kern geht es bei der NAS-Übertragungsgeschwindigkeit darum, wie schnell Daten zwischen deinem NAS und deinen anderen Geräten übertragen werden. Sie wird in der Regel in Megabyte pro Sekunde (MB/s) für Dateiübertragungen oder in Gigabit pro Sekunde (Gbps) für die Netzwerkinfrastruktur gemessen.
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Aber hier kommt der Haken: Die beworbenen Geschwindigkeiten gelten nur unter Idealbedingungen – mit perfektem Netzwerk, erstklassiger Hardware und ohne konkurrierenden Datenverkehr. In der Praxis wird die Leistung immer durch das schwächste Glied in deinem gesamten System bestimmt.
Schneller Tipp: Gbps vs. MB/s
Netzwerkgeschwindigkeiten werden in Gigabit (Gb) gemessen, während Dateigrößen in Megabyte (MB) oder Gigabyte (GB) angegeben sind. Ein Byte besteht aus 8 Bit, Als grobe Faustregel kannst du Gbps durch 8 teilen, um auf MB/s zu kommen. In der Praxis liegt die nutzbare Dateitransferrate meist darunter, weil Protokoll-Overhead (TCP/IP, SMB) und Systemlast hinzukommen.
- 1 Gbps-Netzwerk ≈ 125 MB/s maximale Übertragungsgeschwindigkeit
- 2,5 Gbps-Netzwerk ≈ 312,5 MB/s maximale Übertragungsgeschwindigkeit
Warum viele kleine Dateien langsamer sind als eine große
Ein typisches Missverständnis: Eine große Videodatei kopiert schnell, aber ein Ordner mit 50.000 Fotos wirkt plötzlich “extrem langsam”. Das liegt oft nicht am NAS oder am Netzwerk, sondern an der Anzahl der Dateivorgänge.
Viele kleine Dateien erzeugen mehr Overhead: Metadaten schreiben, Ordnerlisten aktualisieren, Berechtigungen prüfen, sehr viele “öffnen/schließen”-Operationen. Dazu kommen SMB-Protokoll-Overhead und ggf. Virenscanner oder Indexierung auf dem Client, die jede Datei einzeln prüfen.
Praktische Fixes:
- Dateien bündeln: Packe viele kleine Dateien als ZIP/TAR und übertrage das Archiv statt tausender Einzeldateien.
- Passende Tools nutzen: rsync (Linux/macOS) oder robocopy (Windows) sind für viele Dateien oft effizienter als Drag-and-drop.
- Client-Scanner testen: Sicherheitssoftware kann Schreibvorgänge stark bremsen. Testweise eine Ausnahme für den Zielordner setzen, danach wieder aktivieren.
Wenn große Dateien schnell sind, kleine Dateien aber nicht, ist das meist normal und ein typischer Dateisystem-/Client-Overhead – kein Zeichen für ein “langsames NAS”.
Wichtige Faktoren, die die Übertragungsgeschwindigkeit beeinflussen
Was verursacht also die “Staus” in deinem NAS-Setup? Die üblichen Verdächtigen sind:
- Netzwerkinfrastruktur: Dein Router, dein Switch und deine Kabel müssen die Geschwindigkeit deines NAS unterstützen. Ein 10-GbE-NAS an einem 1-GbE-Router ist wie ein Sportwagen in einer Spielstraße.
- Client-Geräte: Dein Computer oder Laptop braucht einen Netzwerkadapter, der mit der Geschwindigkeit deines NAS mithalten kann. Ein veralteter 1-GbE-Adapter bremst ein 2,5-GbE-NAS aus.
- NAS-Hardware: Auch die CPU und der RAM des NAS sind entscheidend. Ein leistungsschwaches NAS kann die Daten trotz schneller Anschlüsse nicht schnell genug verarbeiten.
- Software und Konfiguration: Veraltete Firmware oder falsch konfigurierte Einstellungen können die Leistung unnötig ausbremsen. Daher sind auch regelmäßige NAS-Firmware-Updates notwendig!
Ein Upgrade auf ein 10 GbE-NAS löst deine Probleme nicht, wenn der Rest deines Netzwerks nicht mithalten kann. Der Schlüssel liegt nicht nur in höheren Zahlen, sondern in einem ausgewogenen und optimierten Gesamtsystem.
Das Netzwerk – Das Fundament der NAS-Leistung
Stell dir dein Netzwerk wie eine Bühne vor und dein NAS ist der Star. Selbst die beste Performance verpufft auf einer schlecht gebauten Bühne.
- Router- und Switch-Kompatibilität: Router und Switches sind die stillen Taktgeber deiner Netzwerkgeschwindigkeit. Ein NAS mit 10GbE-Anschluss wird ausgebremst, wenn es nur mit einem herkömmlichen 1-GbE-Router verbunden ist. Um das volle Potenzial deines NAS zu nutzen, brauchst du Router oder Switches mit Multi-Gigabit-Unterstützung – also 2,5 GbE, 5 GbE oder 10 GbE.
- Die richtigen Kabel wählen:Vergiss die Kabel nicht, aber pauschale Regeln helfen hier selten. Für 2,5 GbE funktioniert Cat5e in vielen Heim- und Büroinstallationen zuverlässig, solange die Kabel in gutem Zustand sind und die Strecke nicht extrem lang ist. Für neue Verkabelung, längere Wege, störanfällige Umgebungen oder wenn du perspektivisch 5/10 GbE nutzen willst, sind Cat6 oder Cat6a die sicherere Wahl. Wenn die ausgehandelte Verbindung unerwartet auf 1 GbE zurückfällt, ist ein Kabeltausch der schnellste Test.
- Sicherstellen, dass die Endgeräte mithalten: Nicht nur das NAS und der Switch entscheiden über die Geschwindigkeit – auch dein Computer kann der Engpass sein. Prüfe zuerst, ob der Netzwerkadapter deines PCs/Laptops wirklich 2,5 GbE oder 10 GbE unterstützt und ob die Verbindung auch so ausgehandelt wird. Achte außerdem auf typische Bremsen im Alltag: USB-auf-Ethernet-Adapter können am falschen USB-Port oder an einem geteilten USB-Bus limitieren, langsame Client-Datenträger (z. B. eine Notebook-HDD) bremsen Kopiervorgänge, und bei aktivierter SMB-Verschlüsselung oder Signierung kann eine schwache CPU auf dem Client oder NAS den Durchsatz drücken. Auch Sicherheitssoftware (Windows Defender oder Drittanbieter) kann jeden Schreibvorgang prüfen und Transfers bei vielen Dateien deutlich verlangsamen. Praktischer Test: Kopiere eine große Datei von einer schnellen Quelle (idealerweise NVMe/SSD) auf das NAS und teste zum Vergleich kurz mit deaktivierter Echtzeitprüfung bzw. einer Ausnahme für den Zielordner. Danach wieder aktivieren.
- Netzwerkverlangsamungen beheben: Wenn die NAS-Leistung schwächelt, analysiere zuerst – rate nicht. Überprüfe die ausgehandelte Verbindungsgeschwindigkeit sowohl am NAS als auch am Computer (normalerweise in den Netzwerkeinstellungen sichtbar). Wenn sie niedriger ist als erwartet, kontrolliere Kabel, Switch-Ports und Router-Einstellungen, um den Engpass zu finden.
- Wenn die Geschwindigkeit schwankt: Switch- und Router-Fallen prüfen: Wenn Übertragungen mal schnell sind und dann plötzlich einbrechen, steckt oft ein Netzwerkdetail dahinter. Prüfe zuerst, ob am NAS und am Client dauerhaft die erwartete Link-Rate anliegt (1/2,5/10 GbE). Danach lohnt ein Blick auf typische Bremsen: Energiesparfunktionen wie EEE/“Green Ethernet” können in manchen Setups zu Instabilität führen, QoS-Regeln im Router können Transfers priorisieren oder drosseln, VLAN- oder Port-Profile können Geräte ungewollt ausbremsen, und sehr günstige Switches können bei mehreren gleichzeitigen Transfers an ihre Backplane-Grenzen kommen. Schneller Test: NAS und PC testweise an denselben Switch anschließen, andere Last im Netz reduzieren und vergleichen, ob die Schwankungen verschwinden.
Die Hardware – Das Herzstück deines NAS
Die Hardware deines NAS ist der Motor, der seine Leistung antreibt. Seine Fähigkeit, Daten zu liefern und zu schreiben, hängt direkt von der CPU und dem Arbeitsspeicher ab.
- Die Rolle von CPU und RAM: Ein NAS ist im Grunde ein kleiner, spezialisierter Computer. Die CPU verarbeitet Datei-Anfragen und steuert den Netzwerkverkehr, während der Arbeitsspeicher (RAM) als temporärer Zwischenspeicher für laufende Datenübertragungen dient. Eine leistungsstärkere CPU kann mehrere Benutzeranfragen gleichzeitig bewältigen, und mehr RAM ermöglicht es, größere Dateien oder mehrere parallele Übertragungen ohne Leistungseinbruch zu verarbeiten.
- RAID: Die RAID-Stufe beeinflusst den Durchsatz spürbar: RAID 1 ist beim Schreiben meist nicht schneller als eine einzelne Platte, RAID 5/6 erzeugt zusätzlichen Paritätsaufwand, RAID 10 liefert oft stabile Leistung bei höherem Laufwerksbedarf. Merksatz: Wenn iperf3 im LAN gute Werte zeigt, Dateiübertragungen aber langsam sind, liegt der Engpass oft bei Platten/RAID oder Hintergrundjobs.
- Einschätzung deiner NAS-Hardware: Als grobe Orientierung reicht für einfache Dateispeicherung bei ein bis zwei Benutzern oft eine Dual-Core-CPU und 2 GB RAM aus. Wenn du dein NAS jedoch zum Streamen von Medien, für Anwendungen wie Plex oder für mehrere gleichzeitige Benutzer nutzt, solltest du mindestens eine Quad-Core-CPU und 4 GB RAM oder mehr einplanen.
- Wann ein Upgrade sinnvoll ist: Bevor du Geld in neue Hardware investierst, solltest du ehrlich bewerten, wie du dein NAS nutzt. Wenn es nur für Familienfotos und gelegentliche Backups dient, reicht es möglicherweise aus, dein aktuelles Setup zu optimieren. Ziel ist es, die Hardware deinen Bedürfnissen anzupassen – und nicht blind den höchsten technischen Daten hinterherzujagen.

Die Software – Feintuning für maximale Leistung
Manchmal liegt die Bremse allein im Digitalen. Das Betriebssystem deines NAS und seine Netzwerkeinstellungen enthalten viele leistungsstarke Werkzeuge, die entweder das volle Potenzial freisetzen – oder es ausbremsen.
- Optimierung mit Jumbo Frames: Im Netzwerkverkehr werden Daten in Paketen übertragen. Standardpakete sind relativ klein, was zusätzlichen Verarbeitungsaufwand verursacht. Jumbo Frames erlauben deutlich größere Pakete (die sogenannte MTU – Maximum Transmission Unit – steigt dabei von 1500 auf 9000), wodurch weniger “Reisezeit” nötig ist und der Datendurchsatz steigt. Wichtig: Damit das funktioniert, muss der gesamte Netzwerkpfad – NAS, Switch, Router und Client-Gerät – Jumbo Frames unterstützen und aktiviert haben.
- Ressourcenverwaltung im NAS: Dein NAS ist ein Multitasker – aber alle Apps, Medienserver und Backup-Dienste nutzen denselben Pool aus CPU und RAM. Zu viele gleichzeitig aktive Prozesse können die Leistung massiv beeinträchtigen. Nutze die Verwaltungsoberfläche deines NAS, um den Ressourcenverbrauch zu überwachen. Wenn du siehst, dass CPU oder RAM bei Übertragungen an ihre Grenzen stoßen, finde den Verursacher. Deaktiviere oder verschiebe nicht zwingend notwendige Dienste wie Datei-Indizierung oder Virenscans auf Zeiten mit weniger Nutzung.
- Fehlersuche bei Konfigurationsproblemen: Wenn die Geschwindigkeit plötzlich abfällt, steckt oft ein Softwarefehler dahinter. Überprüfe die Systemprotokolle deines NAS auf Fehlermeldungen oder Netzwerkprobleme. Ein häufiger Grund sind Hintergrundaufgaben wie Datenprüfungen (Data Scrubbing) oder Cloud-Synchronisierungen, die alle Ressourcen blockieren. Plane solche intensiven Aufgaben am besten für Zeiträume ein, in denen du das NAS nicht aktiv nutzt. Und wenn gar nichts mehr hilft: Ein einfacher Neustart oder das Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen kann viele unerklärliche Probleme beseitigen.

Lokal vs. Remote
Wichtig: Übertragungen im Heimnetz (LAN) sind nicht mit Remote-Zugriff von unterwegs vergleichbar. Im LAN bestimmen vor allem Netzwerktechnik, Verkabelung und Datenträger die Geschwindigkeit. Beim Zugriff über das Internet ist die Obergrenze meist deine Upload-Rate zu Hause, dazu kommen Latenz und ggf. VPN-/Relay-Overhead. Wenn du also lokal über 2,5/10 GbE sehr schnell bist, heißt das nicht, dass du dieselbe Geschwindigkeit auch unterwegs erreichst. Vergleiche Remote-Transfers deshalb immer mit deiner Internetanbindung – nicht mit deinen LAN-Werten.
Kabelgebunden vs. WLAN – Ein klarer Sieger in Sachen Geschwindigkeit
Wenn es um Leistung geht, ist die Entscheidung zwischen Kabelverbindung und WLAN weniger eine Debatte als vielmehr eine klare Erkenntnis.
WLAN kann hohe Spitzenwerte erreichen, ist aber deutlich stärker von Abstand, Wänden, Störungen und der Auslastung des Funkkanals abhängig. Für große, kontinuierliche Transfers wie Backups, Medienarchive oder Projektordner ist Ethernet in der Regel die stabilere und planbarere Option. Wenn du WLAN nutzt, achte auf eine sehr gute Signalqualität, möglichst wenig Störquellen und idealerweise 5 GHz oder 6 GHz, je nach Hardware. Für maximale Konstanz: NAS und Hauptrechner per Kabel anbinden.
Ein kurzer Vergleich: Ein NAS mit einem 2,5-GbE-Anschluss kann theoretisch Daten mit über 300 MB/s übertragen. Die besten realen WLAN-Setups schaffen es kaum, dauerhaft die Hälfte davon zu erreichen. Große Dateien über WLAN zu übertragen ist, als würdest du versuchen, einen Wasserfall durch einen Strohhalm zu leiten.
Wenn dir Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit wichtig sind, solltest du dein NAS und deinen Hauptcomputer immer per Kabel anschließen. Das ist die effektivste Veränderung, die du vornehmen kannst.
Der Weg zur vollen Geschwindigkeit
Langsame NAS-Übertragungen sind frustrierend – aber fast immer lösbar. Das Problem ist selten ein großer, katastrophaler Fehler, sondern meist eine Kette kleiner, übersehener Engpässe.
Geh systematisch vor: Teste dein Netzwerk, überprüfe deine Kabel und prüfe, was deine Endgeräte leisten können. Schau dann unter die Haube deines NAS, ob Hintergrundprozesse die Leistung bremsen. Wenn du dein Setup Glied für Glied optimierst – vom Kabel bis zur Software – kannst du dein NAS endlich entfesseln und die Geschwindigkeit erreichen, für die du bezahlt hast.